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Darmkrebs wird oft zu spät entdeckt und ist daher eine der häufigsten Tumorarten mit Todesfolge. Im Frühstadium sind jedoch 95 Prozent der Fälle heilbar.
descriptionBlutprobe
Darmkrebs entwickelt sich oft ohne Anzeichen. Eine Darmspiegelung entdeckt ihn trotzdem, besser noch: Sie findet auch Krebsvorstufen, die noch harmlos sind.
descriptionOperation
Neben den gängigen Therapien wie Operation, Bestrahlung und Chemotherapie zeichnen sich neue Behandlungen ab, zum Beispiel die Immuntherapie.
descriptionEndoskop
Stuhltest, Tastuntersuchung und Darmspiegelung scheuen viele. Doch wer die Unannehmlichkeiten in Kauf nimmt, senkt sein Krebsrisiko erheblich.
descriptionÄpfel
Falsche Ernährung ist Ursache für ein Drittel aller Darmkrebsfälle. Die richtige Lebensmittelauswahl, aber auch Bewegung sorgen für einen gesunden Darm.
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Die schleichende Gefahr

Darmkrebs ist nach Erhebungen des Robert Koch-Instituts sowohl bei Männern als auch bei Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen in Deutschland wird für Männer auf 37.250 und für Frauen auf 36.000 geschätzt. Jährlich sterben an dieser Krankheit rund 28.000 Menschen.

Im Überblick



Die Erkrankungszahlen sind erschreckend, doch es gibt auch gute Nachrichten: Immer mehr Betroffene überleben den Darmkrebs. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate ist in den letzten Jahren auf 60 Prozent gestiegen. Die Rate würde noch besser ausfallen, wenn mehr Menschen die Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchung in Anspruch nähmen. Denn Darmkrebs ist in 95 Prozent der Fälle heilbar, wenn er in einem sehr frühen Stadium erkannt wird. Leider nutzen bisher weniger als 30 Prozent der Versicherten die ihnen zustehende Früherkennungsuntersuchung.

Um die Früherkennungsrate zu verbessern, veranstaltet die Felix Burda Stiftung (FBS) im Verbund mit der Deutschen Krebshilfe, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gastroliga jedes Jahr im März eine bundesweite Aufklärungsaktion zum Thema Darmkrebs. Ziel ist es, die Sterblichkeitsrate deutlich zu senken. Der einfachste und billigste Schritt zu mehr Gewissheit über die eigene Darmgesundheit ist ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl. Damit lassen sich etwa 35 Prozent der Darmkrebs-Erkrankungen erkennen. Die sicherste Methode ist jedoch die Darmspiegelung (Koloskopie), mit der sich laut einer aktuellen Studie fast alle Tumore erfassen lassen. Die Koloskopie ist ab dem 55. Lebensjahr eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen.
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Der Darm – Aufbau und Funktion

Der menschliche Darm wird in drei Abschnitte unterteilt: Dünndarm, Dickdarm und Mastdarm. Im Dünndarm wird die Nahrung in Bestandteile zerlegt, welche von den Epithelzellen der Darmschleimhaut aufgenommen werden können. Dieser Darmabschnitt hat eine Länge von rund vier Metern. Er beginnt am Magenausgang mit dem kurzen Zwölffingerdarm (Duodenum), an den sich die lang verschlungenen Abschnitte des Leerdarms (Jejunum) und Krummdarms (Ileum) anschließen. Zur Vergrößerung der Resorptionsfläche für die Nährstoffe ist die Schleimhaut mit vielen kleinen Zotten besetzt.

Der Dickdarm (Kolon) hat eine Länge von eineinhalb bis zwei Metern. Seine Aufgabe ist vor allem das Eindicken des Darminhalts. Der Dickdarm umrandet den Dünndarm wie ein Rahmen und beginnt im rechten Unterbauch mit dem Blinddarm (Caecum), an dem seitlich der Wurmfortsatz (Appendix) hängt. Vom Blinddarm an steigt der Dickdarm senkrecht hoch (aufsteigendes Kolon), verläuft unterhalb der Leber nach einer Biegung quer bis zur linken Bauchseite (Querkolon) und geht nach einer weiteren Biegung in das absteigende Kolon über.

Hier schließt das etwa 20 Zentimeter lange S-förmige Sigma (Colon sigmoideum) an, das in den Mastdarm (Rektum) übergeht – die Sammelstelle für den Kot. Ein System von Muskeln verschließt den Darm nach außen und verhindert eine unwillkürliche Darmentleerung. Bei einer bestimmten Füllung wird Stuhldrang ausgelöst, der zu einer kontrollierten Darmentleerung führt.
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Wie entsteht im Darm ein Tumor?

Bei einer Tumorbildung tritt zunächst eine krankhafte Veränderung im Bereich einer Zellgruppe auf, zum Beispiel in der Zellschicht der Darminnenwand. Diese Zellen beginnen sich unkontrolliert zu teilen und bilden eine Geschwulst (Tumor). Ein solcher Tumor ist noch kein Krebs. Denn Tumoren werden in gutartig (benigne) und bösartig (maligne) eingeteilt.

Gutartige Tumoren wachsen in der Regel langsam und sind vom umgebenden Gewebe meist gut abgegrenzt, etwa durch eine Kapsel. Sie bilden keine Tochtergeschwülste und wachsen auch nicht in andere Organe ein.

Bösartige Tumoren
sind durch schnelles, ungebremstes Wachstum in angrenzendes Gewebe über die Organgrenzen hinaus gekennzeichnet. Sie zerstören Gewebe und wachsen in Blut- und Lymphgefäße ein. So können einzelne Tumorzellen über die Gefäße in entfernte Organe getragen werden und dort Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden.
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Veränderungen im Erbgut lassen Zellen entarten

Die eigentliche Ursache für die Entstehung von Tumoren liegt an der Veränderung im Erbgut von Körperzellen, für die es verschiedene Risikofaktoren und Auslöser gibt: Zu den äußeren Faktoren zählen Tabakrauch, bestimmte Chemikalien, radioaktive Strahlung, UV-Strahlung (Sonne, Solarium) oder auch Virusinfektionen und Fehlernährung. Mittlerweile weiß man, dass eine ballaststoffarme, fett- und fleischreiche Kost das Darmkrebsrisiko erhöht. Auch die genetische Veranlagung spielt für die Krebsentstehung eine Rolle. Bei einer gestörten Immunabwehr werden die entarteten Zellen nicht rechtzeitig erkannt oder ausgeschaltet. Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit ab, bestimmte aufgetretene Fehler im Erbgut der Körperzellen zu reparieren. Deshalb treten Krebserkrankungen häufiger in höherem Alter auf.
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Vom gutartigen Tumor zum Krebsgeschwür

Polypen im Dickdarm sind zunächst gutartige Tumoren. Sie neigen jedoch dazu, sich nach einer gewissen Zeit zu bösartigen Tumoren zu entwickeln. Darmpolypen bezeichnet man deswegen auch als Präkanzerosen. Bei einigen vererbbaren Krankheiten treten diese Polypen in großer Zahl auf. Die Betroffenen haben ein sehr hohes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Darmkrebs zu erkranken. Bei den bösartigen Tumoren handelt es sich meistens um Karzinome, also von den Deckzellen ausgehende Tumore. Vermutlich entstehen bis zu 90 Prozent von Dickdarmkrebs aus gutartigen Darmpolypen, die sieben Prozent aller Menschen haben. Die Umwandlung in einen bösartigen Tumor dauert etwa zehn Jahre. Wird der Polyp bis zu diesem Zeitpunkt entfernt, bestehen Heilungschancen von fast 100 Prozent. Der Dickdarmkrebs kann in allen Abschnitten des Kolons auftreten, die meisten Tumoren entstehen jedoch im unteren Abschnitt des Dickdarms und im Mastdarm (kolorektales Karzinom).

Lokalisation des
Dickdarmkrebses

Häufigkeit in %
Aufsteigendes Kolon 20
Querkolon
15
Absteigendes Kolon
8
Sigmakolon 17
Mastdarm 40

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Im Dünndarm überwiegen gutartige Tumoren

Die gutartigen Tumoren im Dünndarm überwiegen bei Weitem. Sie machen in der Regel kaum Beschwerden, gelegentlich verursachen sie Blutungen. Dünndarmkrebs ist selten. Nur ein bis zwei Prozent der Darmkrebs-Erkrankungen betreffen den Dünndarm.
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Das Krebsrisiko ist oft selbst gemacht

Vermutlich steht mindestens ein Drittel aller Darmkrebserkrankungen mit falscher Ernährung in Zusammenhang. Außerdem spielen genetische Faktoren und entzündliche Darmerkrankungen eine wichtige Rolle für die Krebsentstehung.

Es sind bestimmte Ess- und Lebensgewohnheiten, die das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, deutlich erhöhen. Allen voran: zu wenig Ballaststoffe, zu viel rotes Fleisch. Unsere Nahrung besteht oft nur zu einem geringen Teil aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, liefert also wenig Ballaststoffe. Gleichzeitig enthält sie einen hohen Anteil an rotem Fleisch (Schweine-, Rind-, Wild- und Lammfleisch) und tierischen Fetten. Man geht davon aus, dass der tägliche Konsum von mehr als 80 Gramm tierischer Fette das Darmkrebsrisiko um bis zu 90 Prozent erhöht. Abbauprodukte der Gallensäure und des Cholesterins scheinen krebsauslösend auf die Darmzellen zu wirken. Ballaststoffe hingegen verkürzen die Passagezeit der Nahrung, sie binden Fremdstoffe und schränken so den Kontakt der Darmschleimhaut mit krebserzeugenden Stoffen ein. Dazu kommen als weitere Risikofaktoren, die wir selbst in der Hand haben:
  • häufiger Genuss von stark gesalzenen, gepökelten und geräucherten Speisen
  • hoher Alkoholkonsum
  • starkes Übergewicht
  • Bewegungsmangel

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Darmkrebs ist auch Familiensache

Fachleute gehen heute davon aus, dass 30 Prozent aller Darmkrebserkrankungen auf Vererbung beruhen. Neben einer erblichen Veranlagung sind auch Erkrankungen mit identifizierten Gendefekten bekannt, die alle ein deutlich erhöhtes Darmkrebsrisiko aufweisen.

Bei der familiären adenomatösen Polypose (FAP) ist der gesamte Dickdarm schon im Kindes- und Jugendalter mit unzähligen Polypen übersät, die entarten können. Ursache ist eine vererbte Genmutation eines bestimmten Gens, das eigentlich die Tumorentstehung hemmen soll. Wird die Erkrankung nicht behandelt, bekommen die Betroffenen fast ausnahmslos im Durchschnittsalter von 36 Jahren Dickdarmkrebs. Da meist auch Veränderungen am Augenhintergrund bestehen, ermöglicht die Augenhintergrundspiegelung eine schnelle Zuordnung zur Risikogruppe. Die Krankheit ist aber selten, auf sie gehen weniger als ein Prozent der Darmkrebserkrankungen zurück.

Beim Lynch-Syndrom (HNPCC) sind vier Gene verändert, die für Reparaturen an der Erbsubstanz DNA verantwortlich sind. Menschen mit diesem Gendefekt erkranken oft zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr an Dickdarmkrebs. Das Karzinom entwickelt sich aus einem gutartigen Tumor der Darmschleimhaut, meist im aufsteigenden Teil des Dickdarms. Gehäuft treten auch Tumoren an Magen oder Gebärmutter auf. Bei entsprechender Familienstammbaumanalyse werden molekulargenetische Untersuchungen und Vorsorgeuntersuchungen in kurzen Abständen empfohlen. Das Lynch-Syndrom ist vermutlich für sechs Prozent der Dickdarmkarzinome verantwortlich.

Das Gardner-Syndrom beruht auf einem ähnlichen Defekt wie die FAP. Im Dickdarm wachsen zahlreiche Polypen, die bösartig werden können. Charakteristisch sind daneben gutartige Tumoren der Knochen (Osteome), des Fettgewebes (Lipome) und des Bindegewebes (Fibrome).

Ebenfalls auf Gendefekten beruhende Erkrankungen mit erhöhtem Darmkrebsrisiko sind das Turcot-Syndrom, das Peutz-Jeghers-Syndrom und die familiäre juvenile Polyposis. Vermutlich sind außer diesen schon bekannten Gendefekten noch andere bisher nicht identifizierte Defekte für vererbbare Darmkrebserkrankungen verantwortlich.
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Risikofaktor Darmentzündung

Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, wird durch chronisch entzündliche Darmerkrankungen deutlich erhöht. Zu diesen Erkrankungen zählen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Beide Krankheiten treten oft schon im Kindes- und Jugendalter auf und haben ähnliche Krankheitszeichen. Anhaltende schleimig-blutige Durchfälle mit krampfartigen Bauchschmerzen sind charakteristisch. Teilweise bilden sich Abszesse oder Fistelgänge. Wachstumsstörungen in der Kindheit, Zeichen einer Mangelernährung und Gewichtsverluste sind häufig. Nach langem Bestehen der Krankheit ist bei Morbus Crohn das Darmkrebs-Risiko bis zu 20-mal höher als bei der Normalbevölkerung, bei Colitis ulcerosa sogar noch höher. In fast der Hälfte der Fälle tritt das Karzinom sogar in mehreren Bereichen des Darms auf.
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DNA
© Thinkstock
Ursache: Tumoren entstehen durch Veränderungen im Erbgut von Körperzellen. Dafür gibt es verschiedene Risikofaktoren und Auslöser: etwa Tabakrauch, bestimmte Chemikalien, radioaktive Strahlung, UV-Strahlung, Virusinfektionen und Fehlernährung.
Steak
© Thinkstock
Zu wenig Ballaststoffe, zu viel Fleisch: Viele Menschen essen zu wenig Obst, Gemüse und Vollkornprodukte und gleichzeitig viel rotes Fleisch (Schweine-, Rind-, Wild- und Lammfleisch). Man geht davon aus, dass der tägliche Konsum von mehr als 80 Gramm tierischer Fette das Darmkrebsrisiko um bis zu 90 Prozent erhöht.
Endoskopiebild von familiärer adenomatöser Polypose
© Samir/GnuFreeDocumentationLicense
Von Polypen übersät ist die Darmschleimhaut bei einigen genetisch bedingten Darmerkrankungen, wie hier bei der familiären adenomatösen Polypose (FAP). Das Risiko für Darmkrebs ist hier sehr hoch.