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Es gibt viele verschiedene Formen der Leukämie. Bei allen wird der Körper durch eine Fehlfunktion in der Entwicklung der weißen Blutkörperchen geschwächt.
descriptionInfusion
Die Blutbildung ist massiv gestört oder versagt völlig. Bei akuter Leukämie kann jedoch eine rasche Behandlung mit individueller Chemotherapie das Leben retten.
descriptionFrau schläft auf Sofa
Unauffällige Symptome wie Abgeschlagenheit sind für chronische Leukämien typisch. Neue Medikamente bremsen die Überproduktion von weißen Blutkörperchen.
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Blut- und Knochenmarktests zeigen, welche Form der Leukämie vorliegt. Neue Medikamente, Knochenmark- und Stammzelltransplantation ermöglichen die Heilung.
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Zu Leukämie laufen derzeit einige Therapiestudien. Wer die Möglichkeit hat, daran teilzunehmen, kann von neuen Behandlungsansätzen profitieren.
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Akute Leukämien: Wenn die Blutbildung versagt

Die Mechanismen dieser Form von Blutkrebs sind bekannt, ihre Ursachen jedoch nicht. Neben genetischen Faktoren spielen Chemikalien und radioaktive Strahlung (z. B. nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl) eine Rolle. Rasche Diagnose und Therapie können das Leben retten.

Im Überblick



Bei einem gesunden Menschen befinden sich die verschiedenen Arten von Blutkörperchen im Blut in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander – nicht nur was ihre Anzahl anbetrifft, sondern auch in Bezug auf ihre jeweilige Reifestufe. Während die roten Blutkörperchen, die Erythrozyten, vor allem die Aufgabe haben, Sauerstoff in die Zellen zu transportieren, und die Blutplättchen (Thrombozyten) eine entscheidende Rolle bei der Blutgerinnung spielen, sind die weißen Blutkörperchen hauptsächlich für die Abwehr von Krankheitskeimen da.

Die Voraussetzung dafür, dass die verschiedenen Blutkörperchen ihre Funktionen erfüllen können, ist einerseits, dass sie in genügend großer Zahl im Blut vorkommen, andererseits, dass sie ausgereift genug sind, um überhaupt funktionieren zu können.
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Die Entstehung der akuten Leukämien

Warum es zu einer akuten Leukämie kommt ist – wie überhaupt die Frage nach den Ursachen für Krebs – bis heute nicht befriedigend geklärt. Es werden unter anderem radioaktive Strahlung, gewisse Chemikalien und Medikamente angeschuldigt, die zu einer Veränderung des Erbguts der Zellen führen. Die Medizin kann allerdings beschreiben, was bei der Entstehung der Leukämien passiert: Allen akuten Leukämien – es gibt verschiedene Formen – ist gemeinsam, dass im Blut massenhaft unreife Zellen auftreten. Diese sogenannten Blasten können nicht ausreifen und daher auch ihre spätere Funktion nicht erfüllen. Im Grunde genommen sind die Blasten wertloses Zellmaterial, dessen Produktion im Knochenmark völlig außer Kontrolle geraten ist. Für andere, blutbildende Zellen im Knochenmark, vor allem die Zellen zur Erythrozyten- und Thrombozytenbildung, bleibt dann nicht mehr genügend Raum. Wenn nicht therapeutisch interveniert wird, bricht die normale Blutbildung völlig zusammen.

Die verschiedenen Untergruppen der akuten Leukämien unterteilt man in zwei Hauptgruppen: die akute myeloische Leukämie (AML) und die akute lymphatische (ALL).
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Akute myeloische Leukämie (AML)

Diese bösartige Erkrankung kann alle Altersstufen betreffen, sie tritt überwiegend bei älteren Erwachsenen auf, die das 50. Lebensjahr bereits überschritten haben. Bei einem Teil der Patienten kommt es ohne Vorwarnung – d. h. ohne vorangegangene Bluterkrankungen – zur AML. In diesem Fall spricht man von einer primären AML. Patienten mit einer sekundären AML leiden schon vor dem Auftreten der AML an anderen Bluterkrankungen, etwa dem sogenannten myelodysplastischen Syndrom.

Kennzeichen der AML ist das massenhafte Auftreten von Myeloblasten, das sind unreife Monozyten und Granulozyten, die alle anderen Blutkörperchen verdrängen. Mit dem Blutstrom werden sie aus dem Knochenmark in den Organismus geschwemmt.
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Akute lymphatische Leukämie (ALL)

Die akute lymphatische Leukämie ist eine sehr seltene, allerdings die häufigste bösartige Erkrankung im Kindesalter. Sie bricht überwiegend bei Zwei- bis Dreijährigen aus; es gibt aber auch Erwachsene – meist über 60-Jährige –, die daran erkranken. Bei der ALL führt die genetische Veränderung einer lymphatischen Vorläuferzelle zu deren bösartigen Umwandlung und Teilung. Die daraus entstehenden Tochterzellen vermehren sich rasant und verdrängen das gesunde Knochenmark.
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Beschwerden und Symptome der akuten Leukämien

Die ersten Symptome der akuten Leukämien sind sehr diffus und allgemein. Sie lassen sich auf die Verminderung der Erythrozyten und/oder der Thrombozyten zurückführen. Sie machen sich bemerkbar durch Beschwerden, die zunächst nicht sehr beunruhigend sind und auf das Konto der Anämie gehen: Blässe, Schwindelgefühl und Müdigkeit. Das Krankheitsbild der akuten Leukämien schreitet aber rasch voran und zeigt sich dann zusätzlich dadurch, dass die Patienten schon bei kleinsten körperlichen Anstrengungen überfordert sind, außer Atem geraten und mit Atemnot zu kämpfen haben. Weitere Krankheitszeichen sind Fieber, Nachtschweiß, manchmal Übelkeit und Erbrechen (wenn die Hirnhäute betroffen sind). Selbst kleine Wunden wie Hautabschürfungen, die kaum aufhören zu bluten, sowie Nasen- und Zahnfleischbluten verweisen auf einen Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten).

Bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL), an der vor allem Kleinkinder erkranken, können Knochenschmerzen ein früher Hinweis sein.

Wenn die rasche Zunahme der Beschwerden zum Arzt führt, stellt der meist schon bei der körperlichen Untersuchung fest, dass die Milz, die Leber und/oder die Lymphknoten vergrößert sind. Wirklich Klarheit über die Ursachen der Beschwerden liefert dann eine einfache Blutuntersuchung.
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Diagnostik bei akuter myeloischer Leukämie

Der Allgemeinzustand des Patienten veranlasst in der Regel den Arzt, zunächst das Blut zu untersuchen.
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Blutuntersuchung bei akuter myeloischer Leukämie:
Im Blutbild fällt häufig eine Erhöhung der Zahl der Leukozyten auf. Die Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) als auch die der Blutplättchen (Thrombozyten) findet sich jedoch zu niedrig. Weitere Aufschlüsse liefert das Differenzialblutbild: Im Blut finden sich reichlich Myeloblasten – undifferenzierte, funktionsuntüchtige Zellen.
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Die Knochenmarkpunktion
Hierbei wird dem Patienten in lokaler Betäubung Zellmaterial aus dem Beckenkamm oder dem Brustbein entnommen. Bei der Untersuchung des Knochenmarks finden sich massenhaft Myeloblasten, aber kaum noch die blutbildenden Zellen der Erythrozyten- und Thrombozytenreihen.

Gewonnenes Zellmaterial wird unterschiedlichen Untersuchungen zugeführt. Dazu gehören auch Untersuchungen des Erbmaterials wie die Zytogenetik und die Molekulargenetik. Bei der zytogenetischen Untersuchung werden die Chromosomen mikroskopisch untersucht. Die Molekulargenetik gibt Aufschlüsse über die mit dem Mikroskop nicht erfassbaren Veränderungen.

Anhand dieser Untersuchungsergebnisse wird dann die AML einer der 8 Untergruppen zugeteilt, die französische, amerikanische und britische Fachleute, deshalb heißt sie auch die FAB-Klassifikation, eingeteilt haben. Die Einteilung hilft bei der Auswahl der passenden Therapie und bei der Einschätzung und Überwachung des Krankheitsverlaufs.
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Diagnostik bei akuter lymphatischer Leukämie

Schon bei allgemeinen Symptomen wie andauernder Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche in Kombination mit den Befunden der körperlichen Untersuchung – einer tastbaren Vergrößerung von Milz, Leber oder Lymphknoten – wird vom Arzt im Allgemeinen eine Blutuntersuchung veranlasst. Gibt die Hinweise auf eine akute Leukämie, werden weitere Untersuchungen in die Wege geleitet:
  • die Knochenmarkuntersuchung im Rahmen einer Knochenmarkpunktion
  • die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) im Rahmen einer Lumbalpunktion
  • bildgebende Verfahren um festzustellen, ob Organe befallen sind

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Blutuntersuchung bei akuter lymphatischer Leukämie
In Blutbild und Differenzialblutbild fällt die große Zahl von Lymphoblasten, das sind unreife Lymphozyten, auf. Zugleich ist die Anzahl sowohl der roten Blutkörperchen als auch der Blutplättchen erniedrigt. Nicht bei allen Formen sind Blutbild und Differenzialblutbild aussagekräftig genug, um die Diagnose stellen zu können, deshalb sind meistens weitere Untersuchungen nötig.
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Knochenmarkpunktion
Bei der akuten lymphatischen Leukämie lassen sich verschiedene Untergruppen unterscheiden. Untersuchungen wie die Zytogenetik und die Molekulargenetik der Zellen des Knochenmarks geben hier konkrete Informationen nicht nur darüber, wie weit die Leukämie fortgeschritten ist, sondern auch darüber, welcher Untergruppe sie angehört. Außerdem kann sie Aufschluss über die Prognose geben und ist im späteren Verlauf wichtig um den Therapieerfolg zu messen.
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Untersuchung des Nervenwassers
Das durch Lumbalpunktion gewonnene Nervenwasser (Liquor) wird unter dem Mikroskop untersucht, um Aufschluss darüber zu gewinnen, ob die häufig betroffenen Hirnhäute von Krebszellen befallen sind.
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Bildgebende Verfahren
Mittels Röntgenaufnahmen und/oder Computertomografie lässt sich feststellen, ob die Krebszellen bereits Organe wie Leber, Milz und/oder Lymphknoten befallen haben.
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Die Therapie der akuten Leukämien

Ist die Diagnose gesichert, muss schnell gehandelt und intensiv behandelt werden. Dreh- und Angelpunkt der Therapie ist die Chemotherapie. In den letzten Jahren sind hier beachtliche Erfolge erzielt worden, sodass sich heute die Behandlungspläne betreffend Medikamente, Dosierung und zeitliche Abfolge individuell auf den Patienten abstimmen lassen. Ziel der Chemotherapie ist es, alle Leukämiezellen, die sich im Körper befinden, vollständig zu vernichten. Dazu werden unterschiedliche Medikamente, die Zytostatika, eingesetzt, die die Krebszellen stärker angreifen als gesunde Zellen.

Bei der akuten Leukämie erfolgen im Allgemeinen drei Behandlungsphasen:
  • Die Induktionstherapie
    In dieser ersten Phase werden verschiedene Zytostatika miteinander kombiniert eingesetzt und in mehreren Behandlungszyklen wiederholt. Dazwischen liegen immer therapiefreie Intervalle. Ziel der Induktionstherapie ist die Remission, d. h. die Vernichtung eines möglichst großen Teils der Leukämiezellen – erreicht ist es, wenn die Leukämiezellen im Knochenmark unter die 5-Prozent-Marke fallen und die normale, gesunde Blutbildung wieder in Gang gekommen ist. Im Allgemeinen lässt sich 4-6 Wochen nach Behandlungsbeginn feststellen, ob eine Remission stattgefunden hat. Da die Blutbildung krankheitsbedingt ohnehin gestört ist und zusätzlich die Nebenwirkungen der Chemotherapie zu verkraften sind, sind die Patienten in dieser Zeit äußerst anfällig für Infektionen und müssen von allen möglichen Infektionsquellen ferngehalten werden.
  • Die Konsolidierungstherapie
    In dieser Phase der Therapie sollen die Remission, die in der Induktionstherapie erreicht wurde, stabilisiert und noch übrig gebliebene Krebszellen zerstört werden. Dazu ist meist eine Wiederholung der Induktionstherapie erforderlich.
  • Die Erhaltungstherapie
    Zur Stabilisierung des Behandlungserfolgs schließt sich die Erhaltungstherapie für mindestens ein Jahr an.
    Sollte die Erkrankung in der Zwischenzeit jedoch wieder aufgeflammt sein, so werden die Patienten einer Knochenmark- oder Stammzelltransplantation zugeführt.


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Knochenmarktransplantation

Sinn der Knochenmarktransplantation ist die Verabreichung von im Knochenmark vorhandenen Zellen, die die Vorläuferzellen der Blutbildung darstellen. Man nennt diese Zellen Stammzellen. Aus ihnen können sich alle Blutzelllinien entwickeln. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die im kreisenden Blut vorhandenen Stammzellen, die peripheren Stammzellen, die das gleiche Potenzial haben, zu verabreichen. Dabei können sowohl die Knochenmarkstammzellen als auch die peripheren Stammzellen entweder nach ausgiebiger Wäsche vom Patienten selbst kommen (autologe Transplantation) oder von einem fremden Menschen stammen (allogene Transplantation).

Nachdem zunächst das patienteneigene Knochenmark durch eine Hochdosischemotherapie oder Bestrahlungstherapie vollständig zerstört wurde, werden dem Patienten nun entweder von einem anderen Menschen (allogen) oder seine eigenen gewaschenen (autolog) blutbildende Knochenmark- oder im Blutkreislauf zirkulierende Stammzellen über eine Vene eingespritzt. Die Zellen finden selbst ihren Weg an ihren Bestimmungsort. Dort beginnen sie dann mit der Produktion der Blutbestandteile.
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Bestrahlung des Gehirns

Im Gegensatz zur AML, wo eine Bestrahlung des Gehirns nur hin und wieder durchgeführt wird, wird sie bei der ALL dringend empfohlen, um eine Ansiedlung von Krebszellen in den Hirnhäuten zu verhindern. Zusätzlich werden meist Medikamente direkt in das Rückenmark gegeben.
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Unterstützende Behandlungen

Begleitziel jeder Krebsbehandlung ist es, die Nebenwirkungen für den Patienten möglichst gering zu halten. Weil das Immunsystem sowohl durch die Krankheit als auch durch die Therapie extrem in Mitleidenschaft gezogen wird, kommt es nicht nur viel leichter zu Infektionen, deren Verlauf ist auch häufig untypisch. Aus diesem Grund werden die Patienten regelmäßig sorgfältig untersucht, oft werden auch sicherheitshalber Antibiotika und Medikamente, die Pilzerkrankungen vorbeugen, gegeben.

Wenn die Blutungsneigung sehr stark ist, wird auch die Verabreichung von Thrombozyten in Betracht gezogen, um die Gerinnungsfähigkeit des Blutes zu unterstützen. Wachstumsfaktoren sollen bei der ALL dafür sorgen, dass mehr Granulozyten gebildet werden.
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Nachsorge

Ist die sich über mehrere Jahre hinziehende Therapie erfolgreich, gilt es, alles zu tun, um ein neuerliches Aufflackern der Erkrankung zu verhindern. Dazu sind regelmäßige Nachsorgetermine nötig, bei denen neben der körperlichen Untersuchung auch das Blut untersucht wird. In den ersten beiden Nachsorgejahren erfolgen die Untersuchungen relativ engmaschig, danach können die Abstände größer werden.
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Heilungsaussichten bei akuten Leukämien

Die Heilungsaussichten hängen von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, wie dem Alter des Patienten, seinem allgemeinen gesundheitlichen Zustand oder dem Zeitpunkt des Therapiebeginns. In der Mehrzahl der Fälle vom AML kann heute eine vollständige Ausheilung erreicht werden – die Heilungschancen liegen bei 45-70 Prozent und sind vor allem bei jungen Patienten recht gut. Bei der ALL liegen die Heilungsaussichten bei durchschnittlich einem Drittel der Betroffenen, wobei die Chancen bei Kindern höher sind.
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Gene: Das Erbgut könnte einen Einfluss darauf haben, ob eine akute Leukämie eintritt. Allerdings ist noch nicht bekannt, welche Genveränderungen dafür verantwortlich sind.
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Wegweisende Blutuntersuchung: Je nachdem welche Veränderungen im Blut festgestellt werden, wählt der Arzt eine passende Therapie aus.
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Regelmäßige Untersuchungen: Durch die Krankheit und die Therapie wird das Immunsystem stark geschwächt und es kommt leichter zu Infektionen. Daher sind häufige Arztbesuche nötig, um rechtzeitig vorzubeugen.